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Transparenz im Kaffee – Von der Sorgfalt in der Lieferkette

Dass Nachhaltigkeit – sowohl was Umwelt als auch was Menschen angeht – für unsere Gesellschaft eine gesteigerte Relevanz angekommen hat, dürfte wohl kaum zu bestreiten sein. Neue Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und weitere EU-Vorhaben in diesem Bereich geben diesen Anspruch auch an Unternehmen weiter und versprechen langfristig mehr Transparenz.

Die Ausgangssituation

Wer sich als Verbraucher beispielsweise aus Gründen der Nachhaltigkeit für oder gegen ein Produkt entscheiden will, muss zuerst einen Komplex aus Gesetzen, Standards, Siegeln und Marketing-Aussagen durchschauen. Diese Hürde ist inzwischen hinreichend bekannt – wer will, findet eine große Anzahl an Artikeln und Berichten – oft bleibt aber das Gefühl die ‚Spreu vom Weizen‘ eben doch nicht hinreichend trennen zu können.

Gerade Unternehmen sind gefordert

Gar nicht so anders als der Vebraucher, muss auch das Unternehmen verstehen, welche Gesetze gelten, was diese dann in der Praxis bedeuten sollen und vor allem: wie die Anforderungen umgesetzt werden können – ohne die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu gefährden.

Es mag zum Beispiel noch gut machbar sein einen Lieferanten, dessen Methoden und Geschäftspartner abzufragen, um die Nachhaltigkeit des eigenen Produktes zu gewährleisten. Bei fünf Lieferanten, die jeweils wieder eigene Geschäftspartner haben, wird es schon schwieriger, und wenn sich ein Unternehmen einem ganzen Netzwerk aus Lieferanten, Zwischenhändlern, Dienstleistern und Standorten gegenübersieht, erscheint ein „blinder Fleck“ in der Lieferkette gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

Das Beispiel vom Kaffee

Tatsächlich relevant werden solche Überlegungen in unserem Alltag – und das schon beim morgendlichen Kaffee: Wir Deutschen sind die drittgrößten Kaffeekonsumenten der Welt. In der EU sind wir gemeinsam für 25% des weltweit konsumierten Kaffees verantwortlich.

Wenn unser Kaffee aber unter die Lupe genommen wird, wie zum Beispiel kürzlich von Öko-Test (11.2021) und Stiftung Warentest (12.2021), dann wird Transparenz in der Lieferkette schnell zum entscheidenden Faktor.

Besonders die Ergebnisse des Öko-Tests zeigen: Nicht der Geschmack ist die eigentliche Herausforderung und auch die schädlichen Inhaltsstoffe mögen uns gefallen oder nicht – sie entsprechen den vorgegebenen Richtwerten. Die Probleme offenbaren sich vielmehr in der Testkategorie ‚Kaffeeanbau und Transparenz‘ , denn hier schneiden gerade bekannte marken schlecht ab. Die Proben der hier getesteten Filterkaffees von Gala, Jacobs Krönung, Tchibo, Eilles, Mövenpick, Dallmayer und Idee Kaffee werden mangelhaft oder sogar ungenügend bewertet. Untersucht wurden in dieser Kategorie gerade solche Themen, die spätestens seit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz relevant sind:

  • Vollständige Belegbarkeit der Lieferkette
  • Belegte Erfüllung unternehmerischer Sorgfaltspflichten
  • Auszahlung existenzsichernder Löhne
  • Konkrete Maßnahmen für Farmarbeiter und Kleinbauern

Anders als Öko-Test hat Stiftung Warentest bei den Testergebnissen keine Kategorie für Themen der Lieferkette bzw. Nachhaltigkeit. Im Artikel zum Test ist das Thema hingegen prominent und auch hier zeigt sich steigender Druck auf die Unternehmen, größeres Problembewusstsein, aber eben auch ganz akut: Schwierigkeiten, was die Erfüllung von Erwartungen seitens des Gesetzgebers und des Kunden betrifft.

Was können Unternehmen also tun?

Unternehmen haben diverse Möglichkeiten, die Gesetze umzusetzen und Chancen hinsichtlich veränderter Verbrauchererwartungen zu ergreifen. Diese sollten sie jetzt nutzen. Denn den Unternehmen drohen rechtliche Konsequenzen, sollten sie die Anforderungen aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder auch kommender EU-Vorhaben nicht erfüllen. Darüber hinaus leidet auch die Reputation der Marke, wenn

  • zum Beispiel Tests mit negativen Ergebnissen veröffentlicht werden,
  • Verdachtsmomente wegen Greenwashings o. ä. auftauchen oder die reale Transparenz nicht halten kann, was die offiziellen Darstellungen versprechen.

Unternehmen brauchen also durchdachte, angemessene und individuell zugeschnittene Verfahren, die das komplexe Geflecht der Lieferkette überwachen, nachvollziehen und verbessern, um die Anforderungen des LkSG – risikoangemessen – zu erfüllen.

Prozesse

Aber weder die Zuweisung von Verantwortlichkeiten noch die Erstellung von Broschüren genügen hier. Sie ersetzen keine belastbaren Strukturen und Prozesse. Diese müssen wohlüberlegt aufgesetzt und gelebt werden. Besonders wichtig ist dabei:

  • Entwicklung eines Risikomanagements
  • Regelmäßige Risikoanalysen
  • Präventionsmaßnahmen
  • Einrichtung eines Beschwerdeverfahrens (etwa Hinweisstelle nach LkSG)

Insbesondere die professionelle Ermöglichung von Hinweisen zur Aufdeckung von Fehlverhalten wird immer wichtiger. Hierbei sind vor allem ein Hinweisgebersystem und/oder eine Ombudsperson wichtige Bausteine, mit denen Unternehmen die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und sich gleichzeitig zukunftsfähig machen können.

 

Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf, wenn Sie Fragen zu Ihren Anforderungen in der Lieferkette haben.